Überblick

Ausgangslage

Die Landeshauptstadt Potsdam nimmt als Wissenschafts-, Medien- und Tourismusstandort unter den regionalen Wachstumskernen Branden-burgs einen herausragenden Platz ein. Potsdam ist mit hohem Abstand die Pendlerhochburg Nummer eins in Brandenburg. Die Stadt belegt sowohl bei den Aus- als auch bei den Einpendlern den Spitzenplatz. Dementsprechend ist die Nachfrage nach schnellen und zuverlässigen Zugverbindungen groß. Die bestehende Anbindung über die Berliner Stadtbahn ist erschöpft und lässt weitere Verkehre nur bedingt zu.

Die Reaktivierung der Potsdamer Stammbahn ist eine Ergänzung und Alternative und stellt die Anbindung weiterer Wachstumsgebiete sicher. Das sich dynamisch entwickelnde Gewerbegebiet Europarc Dreilinden an der Autobahn 115 an der Berliner Stadtgrenze in Kleinmachnow etwa, in dem mehr als 3.500 Beschäftigte arbeiten, ist bisher noch nicht ans Schienennetz angebunden. 

Mit dem Neubau der Verkehrsstation Düppel-Kleinmachnow, die auf Berliner Gebiet, aber in unmittelbarer Nähe zu Kleinmachnow liegt, wird nicht nur der Berliner Südwesten besser, sondern auch das Kerngebiet von Kleinmachnow wieder an den SPNV angeschlossen.

Der Bund hat die Potsdamer Stammbahn in den aktuellen Entwurf des Deutschlandtaktes aufgenommen. Mit einer Reaktivierung der Potsdamer Stammbahn werden sich die Reisezeiten für zahlreiche, wichtige Verbindungen stark verkürzen.

Diese attraktive Verbindung unterstützt die Verkehrswende der Metropolregion und wird noch mehr Pendler:innen von der klimafreundlichen Schiene überzeugen.

Übersichtskarte Südwest: Potsdamer Stammbahn + Südlicher Berliner Innenring

Zielstellung

  • Schaffung von Mehrverkehren, neuen umsteigefreien Verbindungen und zusätzlichen Halten innerhalb Berlins
  • Wiederaufbau des Südlichen Berliner Innenrings zwischen Schöneberg und Ostkreuz zur Flexibilisierung der Verkehre im Knoten Berlin und zur Einbindung der Verkehre von der Potsdamer Stammbahn in den gesamten Knoten
  • Anbindung von Kleinmachnow an den Schienenpersonennahverkehr
  • Mehr Resilienz für die Berliner Stadtbahn und den gesamten Knoten Berlin

Zahlen, Daten, Fakten

160

km/h Maximalgeschwindigkeit
Potsdamer Stammbahn

80

km/h Maximalschwindigkeit
Südlicher Berliner Innenring

2

neue Verkehrsstationen

7

erweiterte Verkehrsstationen

220

Meter Bahnsteiglänge 
je Bahnsteig

16

Minuten Fahrzeit

Düppel-Kleinmachnow – 
Potsdamer Platz

13

Minuten Fahrzeit

Düppel-Kleinmachnow – 
Südkreuz

21.9

km Streckenlänge

Potsdamer Stammbahn 

10.5

km Streckenlänge

Südlicher Berliner Innenring 

Projektumfang

Zeitplan

  • 2018

    Planungsbeginn

  • 2020

    Abschluss Grundlagenermittlung

  • 2024

    Start Vorplanung

  • 2031

    Abschluss Planungen, Beginn Planfeststellungsverfahren

  • 2032

    Ausführungsphase

  • 2038

    vsl. Fertigstellung

Umwelt

Die Strecke der Potsdamer Stammbahn und des Südlichen Berliner Innenrings führt durch unterschiedliche Gebiete, die eine vielfältige Natur aufweisen. Der Südliche Berliner Innenring, mit seinem Streckenverlauf parallel zur Ringbahn, durchzieht ausschließlich inneres Stadtgebiet, mit dichter Bebauung und wenigen naturbelassenen Arealen.

Ein Großteil der alten, wiederaufzubauenden Stammbahn hingegen, führt durch den Düppeler Forst im Südwesten Berlins, welcher als Naherholungsgebiet dient, aber auch vielfältige Habitate für Flora und Fauna bietet. Im Bereich Griebnitzsee kreuzt die Strecke den Teltowkanal, auch dieser bietet einen Lebensraum für Flora und Fauna. Nach Passieren der Landesgrenze zwischen Brandenburg und Berlin verläuft die Stammbahn überwiegend parallel zur S1 und ab Berlin-Steglitz auch zur Stadtautobahn A103, sie verläuft somit mitten durch Berlin.

Im Rahmen der Vorplanung werden die Schutzgüter Umwelt und Mensch in unterschiedlichen, durch die Gesetzgebung vorgegebenen, Verfahren untersucht, um deren Betroffenheit zu bestimmen und geeignete Schutzmaßnahmen zu entwickeln. Die durch den Streckenausbau zu erwartenden Lärmemissionsquellen werden, im Rahmen der Vorplanung, in einem Lärmschutzgutachten durch ein unabhängiges Ingenieurbüro erfasst, bewertet und entsprechende Schutzmaßnahmen abgeleitet. Dies wird anhand eines 3D-Modells erfolgen, welches die genaue Topologie und Gebäudehöhen abbildet. Dabei wird zwischen der Bauphase und der Betriebsphase unterschieden. Die möglichen Maßnahmen unterscheiden sich nach passiven und aktiven Lärmschutzmaßnahmen, wie zum Beispiel Schallschutzfenstern, Maßnahmen unmittelbar am Gleis, herkömmlichen Schallschutzwänden, aber auch die Absenkung der Bahntrasse in sensiblen Bereichen kann in Betracht gezogen werden. Hierbei gilt nach Bundesimmissionsschutzgesetz, dass aktive Maßnahmen an der Lärmquelle (also an den Gleisen) stets Vorrang gegenüber passiven Maßnahmen an den Wohnhäusern oder dem Gewerbe haben. 

Im Ausbaubereich wird der Einsatz aus einer Kombination von verschiedenen Maßnahmen erwartet, um den gesetzlichen Anforderungen bezüglich der Lärmvorsorge gerecht zu werden und die Auswirkungen für die Anwohnenden bei höchstmöglicher städtebaulicher Verträglichkeit so gering wie möglich zu halten. Im weiteren Planungsverlauf (Entwurfs- und Genehmigungsplanung) werden die Erkenntnisse aus der Vorplanung konkretisiert und finalisiert.

Die Schutzgüter Flora und Fauna werden in einem ersten Schritt in einer Faunistischen Planungsraumanalyse (FPA) bestimmt. Dazu wird der Planungsraum, in diesem Fall die Trassen der Potsdamer Stammbahn und des Südlichen Berliner Innenrings als Untersuchungsgebiet festgelegt. Da nach Möglichkeit alle Lebensräume von schützenswerten Arten und Artgruppen (nach §§ 44 und 45 BNatschG) erfasst werden sollen, umfasst der Untersuchungsraum nicht nur die Trasse selbst, sondern auch die angrenzenden Gebiete rechts und links der Trasse. Es gibt Arten, z.B. Greifvögel, die einen Lebensraum von mehreren Quadratkilometern beanspruchen und dieser gesamthaft als schützenswert gilt. Für die FPA werden im festgelegten Untersuchungsraum alle vorhandenen Daten, wie Karten von öffentlichen Stellen, Naturschutzbehörden, oder auch Naturschutzstiftungen herangezogen und ausgewertet. Diese liefern einen Überblick über bereits erfasste Flora, Fauna und geografische Ausbreitung von Lebensräumen und den zu erwartenden, planungsrelevanten Arten und Artengruppen. Des Weiteren finden Begutachtungen vor Ort statt um die vorliegenden Daten im künftigen Baufeld durch Umweltplaner zu prüfen und die vorhandenen Daten zu verifizieren.

Auf der Grundlage dieser vorliegenden Erkenntnisse und Vorortbegehungen wird ein Kartierungskonzept erstellt, das frühzeitig einen Überblick über artenschutzrechtliche Konflikte liefert, die im weiteren Planungsverlauf einer Lösungsfindung zugeführt werden.

Zeitplan Umweltmaßnahmen

  • 2024

    Vorplanung

    Beginn Faunistische Planraumanalyse

    Erstellung Schallschutzkonzept

  • 2026

    Vorplanung

    Scoping Termin mit Eisenbahnbundesamt

  • 2029

    Genehmigungsplanung

    Umweltplanung

    Beplanung Schallschutzmaßnahmen

  • 2032

    Ausführungsphase Umerweltplanung

    CEF Maßnahmen

  • 2035

    Baubeginn Umwelt

FAQ

Gegenüber einer S-Bahnlösung wird mit der Nutzung als Regionalverkehrslösung eine überregionale Wirkung erzielt. Zudem ermöglichen Regionalzüge durch eine höhere Höchstgeschwindigkeit und weniger Halte in Berlin eine kürzere Reisezeit auf längeren Distanzen – sowohl aus Brandenburg nach Berlin als auch innerhalb Berlins.

Der südöstliche Berliner Innenring ermöglicht eine Flexibilisierung der Verkehre im Knoten Berlin und eine Verbesserung der Resilienz bei Streckenunterbrechungen. Außerdem werden neue schnelle Direktverbindungen in West-Ost-Richtung wie etwa von Zehlendorf zum Ostkreuz ermöglicht.

Zudem stößt die Berliner Nord-Süd-Fernbahn (Südkreuz – Potsdamer Platz – Hbf – Jungfernheide/ Gesundbrunnen) bei Umsetzung der im Deutschlandtakt geplanten Mehrleistungen im Nah- und Fernverkehr an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Der Ausbau des südöstlichen Innenrings ermöglicht es, die Nord-Süd-Fernbahn durch Ableitung von Zügen Richtung Ostkreuz zu entlasten.

Im Projekt i2030 haben wir den Anspruch, die Öffentlichkeit möglichst frühzeitig bei den Planungen einzubinden und über die Ausbauvorhaben zu informieren. Aktuell befindet sich das Projekt am Beginn der Vorplanung (Leistungsphase 2 nach HOAI), die vsl. bis 2026 läuft und in der erste Planungsergebnisse erstellt werden.

Mit den Erkenntnissen steigen wir parallel in die Fachgespräche mit den Kommunen, Bezirken und anderen Beteiligten entlang der Strecke ein. Gleichzeitig erfolgt in regelmäßigen Abständen ein Austausch mit der Öffentlichkeit zu Planungsständen.

Die beiden Länder Berlin und Brandenburg haben gemeinsam die Finanzierung bis einschließlich der Vorplanung (Leistungsphase 2 nach HOAI) für das Gesamtvorhaben Potsdamer Stammbahn+ gesichert.

Infrastrukturell ist die Reaktivierung der Stammbahn ein sehr anspruchsvolles Projekt.

Für diesen Korridor wurde zunächst eine Vielzahl von Varianten von den i2030-Partnern erarbeitet, die gegeneinander abgewogen werden mussten. Mit Absicht erfolgte diese eingehende Prüfung von Infrastruktur und möglichen Fahrplänen bereits in der Phase der Grundlagenermittlung.

Bei allen Planungen wird das aktuell gültige, umfangreiche Regelwerk berücksichtigt. Hierbei werden auch alle technischen und sonstigen Anforderungen, z. B. im Hinblick auf Umwelt- und Naturschutz sowie Schallschutz sowie Bürgerbeteiligung beachtet.

In diesem Rahmen bemühen wir uns um eine möglichst schnelle Umsetzung des Projektes und gleichzeitig um die notwendige Finanzierungsabsicherung durch den Bund.

Diese Entscheidung ergibt sich aus den verkehrlichen Zielen, die sich u.a. aus den Nahverkehrsplänen der Länder Berlin und Brandenburg, sowie dem gemeinsamen Zielkonzept 2030 ableiten, das zusammen mit der DB Netz AG und dem VBB entwickelt wurde. An der Erfüllung dieser Ziele unter Berücksichtigung des Aufwandes zur Umsetzung müssen sich die Ausbaulösungen messen. Diese Ziele sind:

  • Schaffung einer zusätzlichen schnellen Verbindung zwischen Berlin und Potsdam
  • Anbindung von Kleinmachnow an den Schienenpersonennahverkehr
  • Schaffung von Mehrverkehren und neuen umsteigefreien Verbindungen aus dem südwestlichen Berliner Umland und zusätzlichen Halten innerhalb Berlins
  • Wiederaufbau des Berliner Innenrings als Regionalverkehrsstrecke zwischen Schöneberg und Ostkreuz zur Flexibilisierung der Verkehre im Knoten Berlin und zur Einbindung der Verkehre von der Potsdamer Stammbahn in den gesamten Knoten
  • Mehr Resilienz für die Berliner Stadtbahn, d.h. Schaffung von alternativen Laufwegen innerhalb des Knotens Berlin

Die Potsdamer Stammbahn und der südliche Berliner Innenring sind zudem Teil des Deutschlandtaktes.

Der Vorteil des Wiederaufbaus im Abschnitt Zehlendorf – Griebnitzsee besteht darin, dass die Ziele Schaffung einer zusätzlichen schnellen Verbindung zwischen Berlin und Potsdam und die Erschließung von Kleinmachnow per Schiene mit nur einem Streckenast erfüllt werden können.

Die gewählte Lösung hat wesentliche betriebliche Vorteile gegenüber der Führung über die Wannseebahn:

Im Bereich Griebnitzsee Ost / Kohlhasenbrück treffen die zweigleisigen Strecken aus Richtung Magdeburg – Potsdam Hbf sowie Dessau – Potsdam Medienstadt Babelsberg aufeinander. Zwischen Griebnitzsee Ost und dem Abzweig der Wannseebahn bei Nikolassee würde sich durch die Mehrverkehre ein zweigleisiger Engpass ergeben. Problematisch sind auch die niveaugleichen Ein-/ und Ausbindungen der Strecken, welche die Kapazität der Strecke stark reduzieren, da jeweils in eine Fahrtrichtung das Gleis der Gegenrichtung gekreuzt werden muss. Selbst bei einer kostenintensiven Herstellung einer Niveaufreiheit mit Hilfe von Überwerfungsbauwerken an den Verzweigungspunkten bliebe die Zweigleisigkeit und der Bahnhof Wannsee als Engpass.

Mit dem Wiederaufbau der Stammbahn über Kleinmachnow stehen demgegenüber zwei unabhängige, zweigleisige Strecken in Richtung Berlin zur Verfügung. Die Schaffung dieser dringend erforderlichen Kapazitätsmehrung und Resilienz des Eisenbahnknotens Berlin ist ein weiteres wesentliches Kernziel der Planungen. Darüber hinaus wäre mit der Nutzung des Weges über Wannsee eine höhere Fahrzeit als über den direkten Weg der Stammbahn verbunden.

Selbst bei Berücksichtigung eines möglichen Regionalverkehrshalts am Mexikoplatz hat der beschlossene Wiederaufbau über Kleinmachnow einen höheren Nutzen bei geringeren Kosten. Zudem wird die U3 nach Verlängerung zum Mexikoplatz auch ohne Ausbau der Wannseebahn mit der S-Bahn gut erreichbar sein.

Ein Zugverkehr auf den vorhandenen Gleisen (Vorlaufbetrieb) hätte  finanzielle und bauliche Aufwendungen zur Folge, denen nach Auffassung der Länder aufgrund der bereits parallel im dichten Takt verkehrenden S-Bahn S1 ein nur geringer verkehrlicher Nutzen gegenüberstehen würde.

  • So wäre eine Zugangsstelle, z. B. in Berlin-Zehlendorf vorzusehen bzw. zu  ertüchtigen und es wären je nach angestrebtem Zielpunkt weitere  Anpassungen z. B. bei den Signalanlagen erforderlich.
  • Für die genannten Anpassungen wären zusätzliche Planungsschritte ggf. bis zur  Planfeststellung oder -genehmigung durchzuführen, was mit Zeitaufwand verbunden wären.
  • Zudem wäre der Vorlaufbetrieb durch anstehende  Bauarbeiten (Brückensanierung) im Bereich Bahnhof Zehlendorf (Eisenbahnüberführung Teltower Damm) und die später stattfindenden Bauarbeiten zur Reaktivierung der Stammbahn vsl. mehrfach über längere Zeit unterbrochen.

Da der Aufwand in keinem angemessenen Verhältnis zum Nutzen steht, wird ein Vorlaufbetrieb durch die Länder nicht angestrebt.

Kontakt

Marius Hertzer

DB InfraGO AG

Haben Sie Fragen zum Projekt?
 Dann können Sie mich gern kontaktieren:

bauprojekte.ost@deutschebahn.com